Flatterstrom
Und die Lichter gehen aus. 🤨️
Steckdosen in einem Gartenschuppen

Der Stromnetzausbau kommt voran, aber die Herausforderungen sind groß

Der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland kommt zügig voran. Der Strombedarf steigt in der Wirtschaft, in den Haushalten und nicht zuletzt durch immer mehr Elektrofahrzeuge.

Mit der Energiewende hat sich das Bild der Stromversorgung grundlegend gewandelt. Das Ziel ist klar: Umstieg auf erneuerbare Energien, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Das braucht viel Planung.

Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie stoßen einige Teilnetze inzwischen an ihre technischen Grenzen. Der Umbau von einer weitgehend zentralen zu einer dezentralen Stromerzeugung ist deshalb entscheidend. Hinzu kommen Ausbau und Erneuerung der Verteilnetze – sonst lässt sich der steigende Strombedarf vor Ort nicht sicher decken. Eng damit verbunden ist das Phänomen Flatterstrom, also die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen.

Das alles ist teuer – und die Kosten landen am Ende beim Verbraucher. Die Strompreise dürften also weiter steigen.

Mittelspannungsmast mit trennbarem Abzweig und Masttransformator bei Schlechtwetterlage
Eine Schalt- und Trafoanlage bei einer Schlechtwetterlage.

Die Rolle von Elektrofahrzeugen

Einen großen Anteil am steigenden Strombedarf in Deutschland haben die Elektrofahrzeuge. Laut einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wird die Elektromobilität bis 2030 den Stromverbrauch um 11,5 bis 14 Prozent erhöhen – kein Pappenstiel.

Mehr Elektrofahrzeuge bedeuten nicht nur einen höheren Verbrauch; auch Erzeugung und Verteilung müssen sich darauf einstellen.

Sie sind also Teil des Problems – aber auch Teil der Lösung. Ihre Akkus lassen sich als flexible Stromspeicher nutzen: Wird das Laden und Entladen intelligent gesteuert, gleicht das die Nachfrage im Netz besser aus. Fahrzeuge laden, wenn wenig nachgefragt wird, und speisen bei Bedarf wieder zurück. Stichwort: bidirektionales Laden, kurz V2G (Vehicle-to-Grid).

Noch näher liegt der direkte Eigenverbrauch: Wer eine Photovoltaikanlage am eigenen Haus betreibt, kann sein Fahrzeug mit dem Strom laden, der dort ohnehin produziert wird. Das macht unabhängiger von fossilen Brennstoffen.

Mehrere Windräder auf einem Berg im Erzgebirge
Mehrere Windräder auf einem Berg im Erzgebirge.

Stand des Stromnetzausbaus

Der Stromnetzausbau in Deutschland ist ein Schwerpunkt der Energiepolitik – schon weil die zusätzliche Last aus Wirtschaft, Haushalten und Elektromobilität die Netzbetreiber deutlich fordert.

Ein Grund dafür ist der Wandel von zentraler zu dezentraler Erzeugung. Strom kommt nicht mehr nur aus wenigen großen Kraftwerken, sondern aus vielen kleinen Anlagen wie Solar- und Windparks. Das Netz muss entsprechend umgebaut werden, damit es die dezentralen Anlagen aufnehmen und die Stromflüsse steuern kann.

Das wird teuer: Der Ausbau kostet die Netzbetreiber viel Geld – und das landet am Ende beim Verbraucher, über höhere Strompreise.

Trotz aller Hürden kommt der Ausbau voran. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht vierteljährlich einen Monitoringbericht. Der Bericht für das dritte Quartal 2025 zählt 43 Vorhaben aus dem Bundesbedarfsplangesetz und 22 Vorhaben aus dem Energieleitungsausbaugesetz – zusammen rund 16.783 Kilometer Leitungslänge in unterschiedlichen Umsetzungsphasen. Davon sind rund 5.137 Kilometer genehmigt und im Bau, weitere etwa 1.057 Kilometer sind fertig, aber noch nicht in Betrieb.

Kleines Wasserkraftwerk mit Techniker an einem Bach
Ein kleines Wasserkraftwerk mit Techniker.

Balkonkraftwerke

Balkonkraftwerke sind kleine Solaranlagen. Sie werden auf Balkonen oder Fensterbänken montiert, an Hauswände gehängt oder auf Gartenlauben gesetzt – und decken so einen Teil des eigenen Strombedarfs ab.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur (Marktstammdatenregister) waren Anfang 2026 rund 1,2 Millionen Balkonkraftwerke in Deutschland in Betrieb. Allein in den Jahren 2024 und 2025 kamen jeweils rund 400.000 neue Anlagen hinzu – auch eine Folge des Solarpakets I: Es hob die zulässige Einspeiseleistung der Wechselrichter auf 800 Watt an und schaffte die zusätzliche Anmeldung beim Netzbetreiber ab.

Umweltfreundlich und kostengünstig – Balkonkraftwerke haben aber auch ihre Tücken. Mit der steigenden Zahl wächst der Aufwand für die Netzbetreiber, denn Anlagen mit bis zu 800 Watt lassen sich nicht zentral steuern. Um Schwankungen und Überlastungen zu vermeiden, müssen die Netzbetreiber technisch nachrüsten.

Auch das hat seinen Preis: Die Mehrkosten der Netzbetreiber landen am Ende wieder beim Verbraucher.

Mittelspannungsmast mit trennbarem Abzweig und Masttransformator bei Schönwetterlage
Eine Schalt- und Trafoanlage bei einer Schönwetterlage.

Zentrale und dezentrale Stromerzeugung im Vergleich

In Deutschland verschiebt sich die Stromerzeugung von zentral zu dezentral – eine Folge der Energiewende. Das hat Vorteile: Die Versorgungssicherheit steigt, und Netzverluste sinken, weil der Strom nicht mehr über weite Strecken transportiert werden muss.

Allerdings ist die dezentrale Erzeugung oft teurer als die zentrale: Bau und Betrieb vieler kleiner Anlagen sind aufwendiger als ein einzelnes großes Kraftwerk. Hinzu kommen lokale Überkapazitäten dort, wo viele Anlagen unkoordiniert einspeisen – das beeinträchtigt die Effizienz im Gesamtsystem. Trotzdem führt an der dezentralen Erzeugung kein Weg vorbei – sie wird die Stromversorgung in den kommenden Jahren prägen.

Auch hier schlagen die Kosten zu Buche: Die dezentrale Erzeugung kostet die Netzbetreiber zusätzlich Geld – und das landet wieder beim Verbraucher.

Schlusswort

Wohin der Umbau der Stromerzeugung führt, ist offen – ebenso, welche Folgen er für Versorgung und Kosten hat. Eine gute Mischung aus zentraler und dezentraler Erzeugung, ergänzt um leistungsfähige Speicher, könnte die Energiewende technisch und finanziell tragbar machen. Aktuelle Entwicklungen zu Netzausbau, Speichern und Balkonkraftwerken findest du in unseren News.