Dunkelflaute: Wenn Wind und Sonne gleichzeitig pausieren
Der Begriff klingt fast poetisch, beschreibt aber das anspruchsvollste Szenario der Energiewende: die Dunkelflaute. Wer im November schon einmal im Erzgebirgsvorland unter der Hochnebeldecke gestanden hat, während sich oben auf dem Kamm kein einziges Windrad dreht, weiß genau, wie das aussieht. Gemeint sind Phasen, in denen es gleichzeitig dunkel (kaum Solarstrom) und windstill (kaum Windstrom) ist – während der Stromverbrauch hoch bleibt.
Was genau ist eine Dunkelflaute?
Eine feste amtliche Definition gibt es nicht. Gebräuchlich ist: eine Wetterlage, in der Wind- und Solaranlagen zusammen über längere Zeit nur einen Bruchteil ihrer üblichen Leistung liefern. Typisch sind windstille Hochdrucklagen mit Hochnebel im Winterhalbjahr – also genau dann, wenn wegen Heizung und Beleuchtung besonders viel Strom gebraucht wird. Die Dunkelflaute ist damit der Extremfall des Phänomens, das diese Website im Namen trägt: Flatterstrom, die wetterabhängige Schwankung der Einspeisung.
Wie oft kommt das vor?
Kürzere Dunkelflauten von einigen Stunden bis wenigen Tagen treten in jedem Winter mehrfach auf. Länger anhaltende Ereignisse über etwa eine Woche sind selten, aber real – Meteorologen und Netzbetreiber planen mit ihnen als Auslegungsfall. Zuletzt sorgten ausgeprägte Dunkelflauten im Winter 2024/2025 für Schlagzeilen, weil die Börsenstrompreise in einzelnen Stunden auf ungewöhnlich hohe Werte sprangen. Wer das live verfolgen will: Auf der Strommarkt-Plattform SMARD der Bundesnetzagentur lassen sich Erzeugung und Preise in Echtzeit beobachten.
Warum ist die Dunkelflaute so herausfordernd?
Weil sie genau die Schwäche der günstigsten Erneuerbaren trifft: Wind und Sonne liefern dann gemeinsam wenig – und zwar großflächig, oft über halb Europa. Batteriespeicher überbrücken Stunden, keine Wochen. Die heute installierten Speicherkapazitäten sind für die Tagesverschiebung gebaut, nicht für die Wintervorsorge. Ohne Gegenmaßnahmen müsste in einer langen Dunkelflaute fast die gesamte Last aus anderen Quellen gedeckt werden.
Wie übersteht das Stromnetz eine Dunkelflaute?
Das System stützt sich auf mehrere Säulen gleichzeitig:
Regelbare Kraftwerke: Gas-, Kohle-, Biomasse- und Wasserkraftwerke springen ein. Für die Zukunft plant die Bundesregierung Ausschreibungen für neue flexible, perspektivisch wasserstofffähige Gaskraftwerke als gesicherte Reserve.
Der europäische Stromverbund: Dunkelflauten treffen selten den ganzen Kontinent gleich stark – Importe aus Nachbarländern (zum Beispiel Wasserkraft aus Skandinavien und den Alpen) gleichen regionale Lücken aus.
Speicher für die kurze Frist: Pumpspeicher und Batteriespeicher decken Stunden bis Tage ab und glätten die teuersten Spitzen.
Lastmanagement: Industrie und flexible Verbraucher reduzieren oder verschieben ihren Verbrauch – Privathaushalte mit dynamischen Stromtarifen tun das freiwillig, weil Strom in der Dunkelflaute spürbar teurer ist.
Langfristig: saisonale Speicher auf Basis von Wasserstoff, der in Überschusszeiten erzeugt und in der Dunkelflaute rückverstromt wird.
Genau an dieser Stelle wird auch über Alternativen wie kleine Atomreaktoren oder grundlastfähige Geothermie diskutiert – mit allen Chancen und offenen Fragen, die wir in den jeweiligen Artikeln beleuchten.
Muss ich mir als Verbraucher Sorgen machen?
Ein flächendeckender Blackout allein durch eine Dunkelflaute ist unwahrscheinlich – die Netzbetreiber planen die gesicherte Leistung genau für solche Fälle, und bisher hat das System jede Dunkelflaute ohne Versorgungsunterbrechung überstanden. Spürbar ist eher der Preis: In dynamischen Tarifen werden diese Stunden teuer, in Festpreistarifen zahlt die Allgemeinheit über den Beschaffungspreis mit. Und weil Vorsorge nie schadet – im Gebirge weiß man das spätestens seit dem letzten ordentlichen Schneebruch –, findest du unsere Tipps zur Notfallvorsorge bei Stromausfall im Flatterstrom-Artikel.
FAQ zur Dunkelflaute
Was ist eine Dunkelflaute?
Eine Dunkelflaute ist eine Wetterlage, in der Wind- und Solaranlagen gleichzeitig über längere Zeit kaum Strom liefern – typischerweise windstille, trübe Hochdrucklagen im Winterhalbjahr, wenn der Verbrauch besonders hoch ist.
Wie oft treten Dunkelflauten auf?
Kürzere Dunkelflauten von Stunden bis wenigen Tagen kommen in jedem Winter mehrfach vor. Länger anhaltende Ereignisse über etwa eine Woche sind selten, werden von Netzbetreibern aber als Auslegungsfall eingeplant.
Können Batteriespeicher eine Dunkelflaute überbrücken?
Nur teilweise: Batteriespeicher gleichen Stunden bis wenige Tage aus und kappen Preisspitzen. Für wochenlange Lücken braucht es regelbare Kraftwerke, Importe und langfristig saisonale Speicher wie Wasserstoff.
Droht bei einer Dunkelflaute ein Blackout?
Ein flächendeckender Stromausfall allein durch eine Dunkelflaute ist unwahrscheinlich. Regelbare Kraftwerke, der europäische Stromverbund, Speicher und Lastmanagement haben bisher jede Dunkelflaute ohne Versorgungsunterbrechung abgefedert – spürbar sind vor allem hohe Börsenpreise.
Warum steigen die Strompreise in einer Dunkelflaute?
Weil das Angebot aus günstigem Wind- und Solarstrom fehlt und teurere regelbare Kraftwerke die Last decken müssen. In dynamischen Tarifen sind diese Stunden direkt spürbar – wer flexibel ist, verlagert seinen Verbrauch.
Wo kann ich eine Dunkelflaute live beobachten?
Auf der Strommarkt-Plattform SMARD der Bundesnetzagentur sowie bei den Energy-Charts des Fraunhofer ISE lassen sich Erzeugung, Verbrauch und Börsenpreise in Echtzeit verfolgen.
Weiterführende Quellen
SMARD – Strommarktdaten der Bundesnetzagentur 🔗 – Erzeugung, Verbrauch und Börsenpreise in Echtzeit – hier lassen sich Dunkelflauten live beobachten
Energy-Charts (Fraunhofer ISE) 🔗 – wissenschaftlich aufbereitete Strommarkt- und Wetterdaten
Wikipedia – Dunkelflaute 🔗 – Begriff, historische Ereignisse und Einordnung
🔗 = Externe und unabhängige Angebote.
Begriffe und Abkürzungen kurz erklärt: siehe Glossar.
Aktuelle Entwicklungen zu Versorgungssicherheit und Strommarkt findest du in unseren News, eine vollständige Themenübersicht im Inhaltsverzeichnis.