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Und die Lichter gehen aus. 🤨️

Traktoranhänger mit einem Banner eines Windkraftgegners

Strompreise und Netzentgelte 2027: Was auf deine Stromrechnung zukommt

Von Marek Stapff · Veröffentlicht am

Für 2026 gab es ausnahmsweise eine gute Nachricht: Strom wurde für Haushalte im Schnitt billiger, weil der Bund einen Teil der Netzkosten übernommen hat. Für 2027 sieht es gemischter aus. Der Zuschuss wird kleiner, die Netzentgelte steigen wieder ein Stück, und an der Strombörse ist Strom seit dem Frühjahr deutlich teurer geworden.

Dieser Artikel gibt den Stand vom 1. Oktober 2026 wieder. An diesem Tag haben die Übertragungsnetzbetreiber ihre vorläufigen Entgelte für 2027 veröffentlicht. Einige Zahlen fehlen noch; wann sie kommen, steht weiter unten.

Mehrere Windräder auf einem Berg im Erzgebirge
Windräder auf einem Berg im Erzgebirge. Wo viele Anlagen ans Netz gehen, muss das Netz mitwachsen. Die Kosten dafür trugen lange die Stromkunden vor Ort, seit 2025 werden sie zum Teil bundesweit verteilt.

Was eine Kilowattstunde 2026 kostet

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kommt für 2026 auf durchschnittlich 37,0 Cent je Kilowattstunde für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, 2,3 Cent weniger als 2025. Das Statistische Bundesamt nennt für das erste Halbjahr 2026 37,97 Cent. Beides sind Durchschnitte über alle Verträge, vom teuren Grundversorgungstarif bis zum günstigen Neukundenangebot.

Laut BDEW setzt sich der Preis 2026 so zusammen:

Rund ein Drittel des Preises sind also Steuern, Abgaben und Umlagen, ein Viertel sind Netzentgelte. Nur bei gut zwei Fünfteln haben die Stromanbieter selbst die Hand am Regler. Was die einzelnen Posten bedeuten, erklärt das Glossar unter Preisbestandteile beim Strom.

Warum Strom 2026 billiger wurde

Den größten Anteil daran hatte ein Zuschuss des Bundes: 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds flossen 2026 in die Kosten der großen Übertragungsnetze. Das bundesweit einheitliche Übertragungsnetzentgelt sank dadurch von 6,65 auf 2,86 Cent je Kilowattstunde. Beim Haushalt kam davon weniger an, weil die Übertragungsnetze nur ein Teil seiner Netzkosten sind; den Rest verlangt der örtliche Verteilnetzbetreiber. Nach Rechnung des BDEW sanken die Netzentgelte für Haushalte um durchschnittlich 1,7 Cent je Kilowattstunde, mit Mehrwertsteuer um rund 2 Cent.

Die Stromsteuer für Haushalte blieb dagegen bei 2,05 Cent. Gesenkt wurde sie zum 1. Januar 2026 nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft, auf das europäische Minimum von 0,05 Cent. Die versprochene Senkung für alle fiel im Sommer 2025 aus Haushaltsgründen weg.

Netzentgelte 2027: leicht nach oben

Den Zuschuss gibt es auch 2027, aber kleiner. Die Bundesregierung will für die Jahre 2027 bis 2029 jeweils 5,525 Milliarden Euro zahlen, knapp eine Milliarde weniger als 2026. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf Anfang September 2026 beschlossen, seit Ende September liegt er dem Bundestag vor. Beschlossen ist er dort noch nicht.

Auf dieser Grundlage haben die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW am 1. Oktober 2026 ihr vorläufiges Entgelt für 2027 veröffentlicht: durchschnittlich 3,54 Cent je Kilowattstunde statt 2,86 Cent. Ohne Zuschuss wären es 6,52 Cent. Die Netzbetreiber schreiben ausdrücklich dazu: Besteht bis zum 7. Dezember 2026 keine Rechtssicherheit für den Zuschuss, werden die endgültigen Entgelte entsprechend höher.

Was heißt das für dich? Das Vergleichsportal Verivox rechnet damit, dass die Netzentgelte für Haushalte dadurch um rund 0,24 Cent je Kilowattstunde steigen, Mehrwertsteuer eingerechnet. Bei 1.500 Kilowattstunden im Jahr sind das etwa 4 Euro, bei 2.800 etwa 7 Euro, bei 4.000 etwa 10 Euro. Ärgerlich, aber kein Drama. Die Netzentgelte deines örtlichen Verteilnetzbetreibers kommen bis zum 15. Oktober, und die können je nach Region stärker nach oben oder unten gehen als der Durchschnitt.

Der größere Hebel: die Strombörse

Spürbarer als die Netzentgelte dürfte 2027 der Großhandelspreis werden. 2025 kostete eine Megawattstunde am Day-Ahead-Markt im Jahresmittel 89,32 Euro, also knapp 9 Cent je Kilowattstunde. Im August 2026 lag der Schnitt bei rund 127 Euro. Und für Strom, der 2027 geliefert wird, zahlten Händler Ende August am Terminmarkt 119,48 Euro je Megawattstunde. Im Februar lag derselbe Wert noch bei rund 80 Euro.

Bei den Neukundenpreisen kommt das schon an. Laut dem Vergleichsportal Stromauskunft lag der durchschnittlich günstigste Tarif bei einem Neuabschluss im Januar 2026 bei 23,84 Cent, Ende September bei 30,35 Cent. Für Bestandskunden hängt viel davon ab, wie ihr Versorger eingekauft hat. Viele Versorger kaufen einen großen Teil ihres Stroms ein bis zwei Jahre im Voraus. Wer früh günstig eingekauft hat, kann seine Preise eine Weile halten, wer kurzfristig kauft, muss schneller weitergeben.

Meine Einschätzung, ausdrücklich als solche gekennzeichnet: Wer 2027 neu abschließt, zahlt eher mehr als heute. Wer jetzt einen günstigen Vertrag mit Preisgarantie hat, sollte ihn nicht leichtfertig aufgeben. Wer die Preisschwankungen der Börse direkt nutzen will, kann das mit einem dynamischen Stromtarif, trägt dann aber auch das Risiko teurer Stunden.

Warum Regionen mit viel Wind und Sonne entlastet werden

Lange galt eine Regel, die viele als ungerecht empfanden: Wo besonders viele Windräder und Solarparks ans Netz gingen, mussten die Netze ausgebaut werden, und die Kosten zahlten die Stromkunden in genau diesen Regionen. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Netzbetreiber mit besonders viel erneuerbarer Leistung einen Teil dieser Mehrkosten bundesweit verteilen. Sie landen im Aufschlag für besondere Netznutzung, den alle zahlen.

2026 waren 238 Netzbetreiber berechtigt, zusammen ging es um 2,725 Milliarden Euro. Die höchsten Beträge entfielen auf die Bayernwerk Netz mit 625 Millionen Euro, die E.DIS Netz im Nordosten mit 296 Millionen und die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom, kurz MITNETZ, mit 292 Millionen Euro. MITNETZ betreibt das Stromnetz in weiten Teilen Mitteldeutschlands, auch in Sachsen. Für Sachsen sanken die Netzentgelte 2026 nach Rechnung von Verivox bei 4.000 Kilowattstunden um 12 Prozent oder 53 Euro im Jahr, in Berlin und Brandenburg sogar um 23 Prozent.

Stromsteuer: keine Entlastung in Sicht

Im Koalitionsvertrag stand eine Entlastung um mindestens fünf Cent je Kilowattstunde. Ein Baustein sollte die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Minimum sein, und zwar für alle. Gekommen ist sie bisher nur für Industrie, Land- und Forstwirtschaft. Im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 ist sie für Haushalte nicht vorgesehen; verabschiedet ist der Haushalt allerdings noch nicht. Würde die Stromsteuer für alle auf das Minimum sinken, wären das knapp 2 Cent netto und rund 2,3 Cent mit Mehrwertsteuer, also gut sechs Prozent der Stromrechnung.

Ab 2029: neue Regeln für alle Netzentgelte

Weiter in die Zukunft reicht eine Reform der Bundesnetzagentur mit dem sperrigen Namen „Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom“, kurz AgNes. Den Entwurf hat die Behörde im August 2026 vorgelegt, Stellung nehmen konnte man bis Mitte September. Endgültig entscheiden will sie Ende 2026, gelten sollen die neuen Regeln ab dem 1. Januar 2029.

Was nach dem Entwurf für Haushalte wichtig ist:

Das alles ist ein Entwurf. Bis zur Entscheidung kann sich noch einiges ändern.

Was du jetzt tun kannst

Die wichtigsten Termine

Warum das Netz überhaupt so teuer ist, erklärt der Artikel zum Stromnetzausbau.

FAQ zu Strompreisen und Netzentgelten 2027

Steigen die Strompreise 2027?

Die Netzentgelte steigen nach den vorläufigen Zahlen leicht, nach Verivox um rund 0,24 Cent je Kilowattstunde. Stärker wirkt der Großhandelspreis, der seit dem Frühjahr 2026 deutlich gestiegen ist. Für Neukunden sind die Preise deshalb schon gestiegen; wie stark Bestandskunden betroffen sind, hängt vom Einkauf des jeweiligen Versorgers ab.

Warum steigen die Netzentgelte 2027?

Weil der Bundeszuschuss zu den Kosten der Übertragungsnetze von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro sinkt. Das vorläufige Übertragungsnetzentgelt steigt deshalb von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde. Ohne Zuschuss wären es 6,52 Cent.

Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind die Gebühren für Bau, Betrieb und Ausbau der Stromnetze. Jeder Stromkunde zahlt sie über seinen Strompreis, 2026 im Schnitt 9,24 Cent je Kilowattstunde einschließlich Messstellenbetrieb. Das ist rund ein Viertel des Strompreises.

Wird die Stromsteuer 2027 gesenkt?

Für Haushalte ist das im Regierungsentwurf für den Haushalt 2027 nicht vorgesehen. Die Stromsteuer bliebe dann bei 2,05 Cent je Kilowattstunde. Gesenkt wurde sie seit 2026 nur für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.

Wann stehen die Netzentgelte für 2027 fest?

Die Übertragungsnetzbetreiber haben ihre vorläufigen Werte am 1. Oktober 2026 veröffentlicht, die Verteilnetzbetreiber folgen bis zum 15. Oktober, die Umlagen bis zum 25. Oktober. Endgültig gelten die Werte ab dem 1. Januar 2027.

Kann ich bei einer Preiserhöhung kündigen?

Ja. Bei jeder Preiserhöhung hast du ein Sonderkündigungsrecht. Der Anbieter muss die Erhöhung bei einem gewöhnlichen Vertrag mindestens einen Monat vorher ankündigen, in der Grundversorgung sechs Wochen vorher.

Weiterführende Quellen

kennzeichnet externe, unabhängige Angebote. Diese Verweise öffnen sich in einem neuen Tab.

Begriffe und Abkürzungen kurz erklärt: siehe Glossar (Stromtarife und Preise).

Neue Zahlen und Meldungen zu Preisen und Netzen findest du in unseren News, eine vollständige Themenübersicht im Inhaltsverzeichnis.